![]() |
| Schöneweide: "Energie im Fluss" |
|
von Tanja Prillwitz / Har Viele Berliner verbinden mit Schöneweide im Bezirk Treptow-Köpenick nur Industriebrachen oder die Schließung des Samsung-Bildröhrenwerkes. Doch das ist nicht das ganze Bild: Tatsächlich verfügt der Standort über ein großes Potenzial. Mit ihrem Konzept "Energie im Fluss" ist kürzlich die Standortgemeinschaft zu einem der fünf Sieger des Wettbewerbs "MittendrIn Berlin!" gekürt worden. Das Konzept sieht vor, beide Spreeufer miteinander zu verknüpfen und Jugendliche bei der Nutzung von Uferflächen und alten Industriehallen zu unterstützen. Schöneweide setzt sich aus den Ortsteilen Niederschöneweide (Treptow) und Oberschöneweide (Köpenick) zusammen, die erst seit der Verwaltungsreform 2001 zu einem Bezirk gehören. Bis zu seiner Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Niederschöneweide wegen seiner Lage am Wasser ein beliebter Ausflugsort. Aufgrund zahlreicher Betriebsschließungen in der Nachwendezeit ist der Stadtteil besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Seit 1994 zählt er zum Sanierungsgebiet: Kontaminierter Boden wurde entgiftet, die Uferpromenade mit Bäumen und Sträuchern verschönert. Der Bahnhof von Niederschöneweide ist täglich Anziehungspunkt für rund 40.000 Menschen. Seit 2003 ist hier ein Einkaufszentrum mit einer Verkaufsfläche von 20.000 qm entstanden. Dort haben sich Filialisten wie MediaMarkt, C&A, Mode Vögele, Deichmann und Kaufland niedergelassen. Die zirka 5.100 Haushalte haben eine einzelhandelsrelevante Kaufkraft von 48,5 Mill. € und eine Kauftraftkennziffer pro Kopf von 95,1. Die durchschnittliche Berliner Pro-Kopf-Kaufkraftkennziffer liegt bei 96,3. Der Stadtteil Oberschöneweide gehörte einst zu den bedeutendsten Industriestandorten Deutschlands. 25 Großbetriebe und eine Vielzahl kleiner Firmen und Werkstätten besiedelten das Gebiet am Spreeufer. Besonders die AEG mit ihrem Gründer Emil Rathenau prägte den Ort. Genau wie in Niederschöneweide vollzog sich nach der Wende ein struktureller Wandel: Viele Industriebetriebe mussten schließen. Seit 1991 stehen die Gebäude unter Denkmalschutz und bilden eine Schwerpunkt der Berliner Industriedenkmalpflege. In Oberschöneweide gibt es rund 8.200 Haushalte mit einer einzelhandelsrelevanten Kaufkraft von 76,6 Mill. € bzw. einer Kaufkraftkennziffer pro Kopf von 93,9. Das Ortsteilzentrum Wilhelmininhof-/Edisonstraße mit etwa 3.000qm Verkaufsfläche ist kleinteilig strukturiert und entspricht einem typischen Nahversorgungsangebot. Gespannt darf man auf die Auswirkungen des Zuzugs von rund 6.000 Studenten der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) bis 2009 sein. Auf dem ehemaligen Gelände der Kabelwerke Oberspree wird ein großzügiger Campus entstehen. Die MittendrIn-Gewinner sehen gerade hier Handlungsbedarf. Das Handels- und Dienstleistungsangebot entspreche noch nicht den Konsumgewohnheiten der jungen Zielgruppe. "Die Ansiedlung der FHTW und der Bau des Kaiserstiegs werden die Attraktivität von Schöneweide und speziell von Oberschöneweide steigern. Insbesondere dann, wenn es gelingt, die Studierenden hier örtlich zu binden und gemeinsame Ansiedlungskonzepte für Geschäfte zu entwickeln, die auf Fachhochschule und Folgenutzer abgestimmt sind", sagt Stefan Heerde von der Engel & Völkers Gewerbe Berlin GmbH. Eine Nutzung der auf beiden Spreeseiten gelegenen Industriebrache als Einzelhanderlsfläche sei aufgrund der Nachrage aber nicht zu erwarten, so Heerde. Diese Flächen der denkmalgeschützten Industriekultur werden jedoch zunehmend für Dienstleiser und Kreative interessant - wie etwa die Künstlerguppe "Dead Chickens". "Immer mehr junge Familien schätzen Schöneweide als Wohnort. Die Spree und die Wuhlheide erhöhen die Lebensqualität. Außerdem bietet das Freizeit- und Erholugnszentrum viele Angebote für Kinder", berichtet Janin Weller vom Förderverein Spreehöfe Oberschöneweide. Sie hat mit vielen anderen Mitstreitern das Siegerkonzept für "MittendrIn Berlin!" entwickelt. "Wir werden stark am Image Schöneweides arbeiten. Es gilt, die Kooperationsbereitschaft des lokalen Gewerbes zu verbessern und eine zukunftsorientierte Netzwerkbildung in Gang zu setzen. Ziel ist, die lokale Identität und das Gemeinwissen zu fördern", ergänzt Weller. Die Spreehöfe in Oberschöneweide sind ein gutes Beispiel für privates Engagement. Hier entstand ein Zentrum für Gewerbe, Handel, Gastronomie, Gesundheit und Freizeit. Zudem sind die Höfe ein Ort vieler Initiativen, Institutionen und Organisationen, die sich für politische, kulturelle und soziale Projekte stark machen. Es bleibt somit spannend, wie die MittendrIn-Gewinner in Schöneweide ihr Konzept umsetzen werden. Die Ideen und Ansätze sind jedenfalls vielversprechend. www.mittendrin-berlin.de Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift Berliner Wirtschaft in der Ausgabe 5/2006. |