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| Ein Hauch von Orient |
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Ein Hauch von Orient Zwischen Industriebrachen will ein türkischer Unternehmer ein modernes Klein-Istanbul entwickeln Karin Schmidl OBERSCHÖNEWEIDE. Entweder ist er verrückt oder ein Visionär: Ausgerechnet in Oberschöneweide will Emre Kiraz ein internationales Begegnungszentrum bauen. Das soll die moderne Türkei repräsentieren und vor allem betuchte Touristen sowie Berliner anziehen. Kiraz kam als Zwölfjähriger aus der Türkei nach Berlin. Der 41-jährige Unternehmensberater, der hier Jura und Politologie studiert hat, zählt zu jenen 167 Unternehmern in der Stadt, die sich als Berlin-Partner für mehr Kooperation in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur engagieren und die Stadt für Touristen attraktiver machen wollen. "Kanyon - modern Istanbul" nennt er sein Projekt. Entstehen soll es auf dem Gelände des ehemaligen DDR-Rundfunks, auf gut 40 000 Quadratmetern entlang der Rummelsburger Landstraße. Das Areal inmitten von Industriebrachen gilt als schwierig, denn ein Teil ist Wasserschutzgebiet und darf nicht bebaut werden. Dort soll eine große Grünfläche angelegt werden. Daneben sollen ein 5-Sterne-Hotel mit Hamam, ein Kongresszentrum mit Business-Club, Shops für türkische Edelmarken sowie türkische Restaurants entstehen. Künstler sollen dort arbeiten und das Museum "Modern Istanbul" Ausstellungsräume erhalten. Auch Indoor-Spielplätze für Kinder, ein TV-Studio sowie ein Großmarkt für türkische Händler gehören zum Projekt. Mögliche Investoren für das Zentrum, in dem 400 Arbeitsplätze entstehen sollen, sind laut Kiraz der türkische Großkonzern Eczacibasi, dem unter anderem Istanbuls Shoppingcenter Kanyon gehört. Daher stammt auch der Name des Berliner Projekts, das aber kein Einkaufszentrum werden soll: "Es wird nicht mehr als 1 200 Quadratmeter Einzelhandel geben, das sind gerade drei Prozent der Fläche", sagt Kiraz. Auch mit der Koc-Holding und ihren Divan-Luxushotels sowie der Dogan-Holding, dem größten Medienimperium der Türkei, ist der Unternehmensberater nach eigenen Angaben im Gespräch. Im Bezirk Treptow-Köpenick ist man erfreut über die Pläne, die weltstädtisches Flair versprechen. Sogar als Schnittstelle zwischen Europa und der Türkei sieht man sich schon, wenn die Touristen strömen. Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) verspricht ein zügiges Planungsverfahren. Etwas skeptisch hingegen sieht die Senatswirtschaftsverwaltung den Ort. Ein solches internationales Zentrum gehöre in die Innenstadt, heißt es. Auch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sagt: "Wir befürworten das Projekt, aber ob Oberschöneweide dafür geeignet ist, muss geprüft werden." Doch Kizaz hat sich bewusst für Oberschöneweide entschieden. In Kreuzberg oder Wedding, wo die meisten der rund 250 000 Berliner Türken wohnen, wolle er nicht noch etwas Türkisches bauen. Und die Innenstadt sei zu teuer für ein Projekt, in dem Kultur eine große Rolle spiele. Oberschöneweide hingegen bedeute Zukunft: "Noch ist dort hauptsächlich Pampa, aber das Gebiet hat Potenzial", sagt Kiraz. Nur wenige Kilometer entfernt werde in ein paar Jahren der neue Großflughafen in Betrieb gehen, neue Autotrassen über die Spree führten dann auch nach Oberschöneweide. Kiraz: "Dann wird es dort eine Dynamik geben, die manche sich heute nicht vorstellen können." ------------------------------ Begegnung zwischen den Kulturen Das Zentrum "Kanyon - modern Istanbul" soll auf einem rund 40 000 Quadratmeter großen Areal des ehemaligen DDR-Rundfunks entlang der Rummelsburger Landstraße entstehen. Derzeit befinden sich dort ein Plattenbau und diverse Baracken. Das gesamte Rundfunkgelände an der Nalepastraße ist 13 Hektar groß, nur der denkmalgeschützte Mittelteil mit den Sendesälen und Tonstudios wird bislang genutzt. Finanziert werden soll die 100-Millionen-Euro-Investition über Immobilienfonds. 435 Arbeitsplätze könnten entstehen. ------------------------------ Karte: Der Ort, an dem die moderne Türkei repräsentiert werden soll, ist umstritten. Noch gibt es dort vor allem Industriebrachen - aber die Nähe des neuen Flughafens lässt Investoren hoffen. |