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Kunstzentrum entsteht am Spreeufer
Kunstzentrum entsteht am Spreeufer

Mittwoch, 11. Juli 2007 04:00  - Von Sabine Flatau

Die moderne Kunst macht sich auf den Weg nach Oberschöneweide. Museen, Galerien und private Sammlungen werden Quartier in alten Industriegemäuern beziehen.

Hinter der orangefarbene Hülle der Schauhallen werden Museen, Galerien und Sammlungen zeitgenössische Kunst zeigen

Treptow-Köpenick Die moderne Kunst macht sich auf den Weg nach Oberschöneweide. Museen, Galerien und private Sammlungen werden Quartier in alten Industriegemäuern beziehen. Die maroden Reinbeckhallen am Spreeufer, in denen früher Transformatoren hergestellt wurden, verwandeln sich in die Schauhallen für moderne Kunst (www.schauhallen.org). Der Bauantrag ist kürzlich eingereicht worden. Zwei Kunstliebhaber und Visionäre stehen hinter dem Projekt und treiben es voran: der Berliner Rechtsanwalt Sven Herrmann und der Frankfurter Galerist Helmut Schuster.

Ihr großer Traum vom Kunst-Mekka an der Spree wird insgesamt rund 20 Millionen Euro kosten und soll privat finanziert werden. "Wir sind dabei, kunstinteressierte Unternehmen als Geldgeber zu gewinnen", sagt Sven Herrmann. Das Nestlé-Tochterunternehmen Nespresso sei schon mit im Boot. "Wir gehen Schritt für Schritt vor", sagt der Jurist.
Die bekannten Berliner Architekten Petra und Paul Kahlfeldt bauen die Schauhallen. Sie lassen die historische Bausubstanz sanieren, aber nicht verändern. Neu wird die orangefarbene Hülle aus großen Emaille-Tafeln, die den 15 000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex einrahmen soll. Mit ihrer leuchtenden Farbe soll sie auch vom Flugzeug aus gut zu sehen sein. Das Museum für moderne Kunst in Frankfurt am Main wird eine ständige Dependance einrichten. Renommierte private Kunstsammlungen ziehen ein, außerdem 16 Galerien.

Schauhallen-Mitinitiator Sven Herrmann redet auch mit, wenn es um die Zukunft des Nachbargrundstücks mit den bekannten Rathenauhallen darauf geht. Denn Herrmann ist Geschäftsführer der irischen Firma Toruro GmbH & Co. KG, die kürzlich das Grundstück mit den alten Produktionsstätten der AEG und später des VEB Transformatorenwerks gekauft hat. Der Preis für das 73 000 Quadratmeter große Areal zwischen Spree und Wilhelminenhofstraße: 12 Millionen Euro. Der vorherige Besitzer, die TRO Verwaltungsgesellschaft mbH unter Geschäftsführer Peter Barg, musste 2006 Insolvenz anmelden. Die amerikanische Firma Hudson Advisors, eine Abwicklungs- und Inkassogesellschaft, hatte die Kreditansprüche der Dresdner Bank gegenüber Barg im Jahr 2005 aufgekauft und fällig gestellt. Einen Insolvenzplan zur Sanierung von Bargs Firma ließ sie nicht zu. Peter Barg, ehemals Chef des Optik-Unternehmens Ruhnke, hatte die Gebäude denkmalgerecht sanieren lassen und Künstler und kleine Firmen an den Standort geholt, um ihn im Sinne der Familie Rathenaus zu entwickeln. Diese Idee schien durch die Insolvenz beendet, das Gelände nicht mehr sicher vor dem Zugriff von Immobilienhaien.

Irisches Unternehmen investiert

Doch dann konnte Rechtsanwalt Sven Herrmann ein irisches Familienunternehmen für das Gelände neben seinen Schauhallen begeistern und zum Kauf bewegen. Ein detailliertes Nutzungskonzept für die Zukunft des Geländes gibt es noch nicht. Fest steht jedoch, dass der Umbau des Gebäudes 79 zum Atelierhaus fortgesetzt wird. Das Vorhaben war durch die Insolvenz gestoppt worden. Seine Firma werde 800 000 Euro investieren, um die Ateliers noch 2007 fertigzustellen. 24 Künstler sollen einziehen.
Die Schauhallen auf dem Nachbargrundstück sollen sich langsam, aber stetig entwickeln. Detailplanungen sind mit den Architekten abgesprochen. In der Nachbarschaft ist der Kaisersteg, die Neufassung einer alten Fußgängerbrücke, über die Spree gebaut worden. Ein Stadtplatz mit Skulpturengarten entsteht. Die Macher der Schauhallen hoffen, dass noch in diesem Jahr die Baugenehmigung erteilt wird. Sie zögern indes, wenn es um das Nennen des Eröffnungstermins für das Kunstprojekt geht. Doch es gibt eine klare Aussage, was zuerst an der Spree gezeigt wird. Die renommierte Privat-Sammlung Goetz aus München wird mit ihren Zeichnungen, Grafiken, Gemälden und Fotografien erstmals in Berlin zu sehen sein. Ingvild Goetz ist eine der international bekanntesten Kunstsammlerinnen. Sie ließ für ihre Sammlung mit rund 3000 Werken zeitgenössischer Kunst ein eigenes Museum bauen.
 
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