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Neuer Kaisersteg verbindet die Spreeufer

Erster Rammschlag für eine Fußgängerbrücke zwischen Ober- und Niederschöneweide

von Steffi Bey

Der erste Rammschlag für den neuen Kaisersteg ist vollbracht. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) setzte gestern symbolisch die Bauarbeiten für die Brücke in Gang. Ab Herbst 2006 können Fußgänger und Radfahrer bequem zwischen Ober- und Niederschöneweide pendeln.

Es ist mehr als ein Brückenschlag über die Spree. Denn mit der rund 140 Meter langen Verbindung verknüpfen sich große Erwartungen. "Wir hoffen, dass dadurch die beiden Ortsteile noch besser zusammenwachsen", sagte Martina Luther von der Plattform Organizing Oberschöneweide. So sind künftig Schulen, Freizeiteinrichtungen, Geschäfte und das Ärztehaus auf der jeweils anderen Seite schneller erreichbar. Auch das FEZ Wuhlheide rückt an Niederschöneweide heran. Und Radfahrer können abseits vom lärmenden Verkehr die Ufer wechseln. Mit dem anstehenden Umzug der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in sanierte Industriebauten an der Wilhelminenhofstraße ist für die Studenten der Campus bequemer erreichbar.

"Der Kaisersteg ist ein verbindendes Element, das dazu beiträgt, den Strukturwandel beider Ortsteile zu beschleunigen", erklärte die Senatorin. Nach dem Verlust der alten Industrien eröffnen sich neue Chancen für das Gebiet: Alte Barrieren des Industriegürtels am Spreeufer werden geöffnet. Neue Wohnquartiere entstanden, moderne Gewerbe und Dienstleistungsunternehmen siedelten sich an. Geplant sind die "Schauhallen" - ein riesiges Kunst- und Kulturareal. In Niederschöneweide wird künftig ein Stadtteilzentrum die Wohnnutzung ergänzen. "Die gemeinsame Zukunft der Stadtteile liegt in der Hinwendung zur Spree", betonte die Senatorin.

3,3 Millionen Euro kostet das fünf Meter breite Bauwerk. 75 Prozent kommen von der EU. Nördlich ist es an die Laufener Straße angeschlossen, südlich an die Hasselwerderstraße.

Die Brücke schließt eine vor 60 Jahren gerissene Lücke. Seit 1897 überquerte ein Kaisersteg die Spree. Er wurde am 22. April 1945 von den Nazis gesprengt. Ältere Köpenicker erinnern sich an das "wacklige Bauwerk", weshalb es "Schwindsuchtbrücke" genannt wurde. "Wenn die Arbeiter der Industriebetriebe rüberliefen, mussten sie aufpassen, nicht im Gleichschritt zu laufen", berichtete ein Senior. Weil sonst die Brücke einen halben Meter ausschwenkte.

Dieser Artikel erschien in der Zeitung Neues Deutschland am 10. Novemberg 2005 auf Seite 18. 

 
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